Die Geschichte unserer Abteilung

Mehr Aufmerksamkeit geht nicht: Die Leichtathleten des Turnvereins Heppenheim werden wohl immer mit Olympia in Verbindung gebracht. Zwei der Sportler haben dort Medaillen geholt und damit den TVH in den Fokus der Weltöffentlichkeit gebracht. Es ist eben das was in Chroniken des Sports rund um den Globus vermerkt ist: Hans Baumgartner, Silbermedaillengewinner im Weitsprung 1972 bei den Spielen in München, Florian Schwarthoff, Bronzemedaillengewinner im 110-Meter-Hürdenlauf bei den Spielen 1996 in Atlanta. Die Leistung anderer Sportler in dieser wie in anderen Abteilungen stellt das aber nicht in den Schatten. Wer den TVH kennt, weiß darum.

Hinter dem Erfolg der Leichtathleten steht ein Mann, dessen Name untrennbar mit dem TVH verbunden ist: Hansjörg Holzamer. Er ist treibende Kraft der Abteilung. Aber auch die Geschichte des Gesamten Vereins hat er über Jahrzehnte mitgeprägt und tut es heute noch.

Ein Blick zurück: Leichtathletik ging lange Zeit eng mit Turnen einher, Volksturnen wurde es genannt. Eine eigenständige Abteilung war es zunächst nicht. Nach dem zweiten Weltkrieg sind dann auch im Heppenheimer Turnverein Weichen neu gestellt worden, die Leichtathletik ging unter dem Dach des Gesamtvereins ihren Weg in die - relative – Selbstständigkeit als eigene Abteilung. Mitte der 50er Jahre, genauer 1957, rückte Hansjörg Holzamer an die Spitze auf. Ein Kuriosum: Kurtz zuvor hatte er die Abteilung mitbegründet, aufgrund seines Alters, er war Jugendlicher, Gymnasialschüler, damals 15 Jahre alt, hatte er aber noch kein Stimmrecht im Verein. Es sollte allerdings nicht lange dauern, da zählt nicht nur seine Stimme, sondern er erhob eben diese auch mancherorts Öffentlich zum Wohle des TVH. Die Leitung der Abteilung hatte er, das sei gleichfalls vermerkt, von Günter Scheerer übernommen.

Mit Holzamer an der Spitze war klar: TVH go‘s Olympia. Das ist von Anfang an erklärtes Ziel des Abteilungsleiters gewesen. Und er wollte nicht nur, dass seine Sportler bei den Spielen dabei sind, also ganz dem olympischen Gedanken verpflichtet. Er wollte mehr. Er wollte Erfolge. Er wollte sie mit seinen Athleten und absolvierte dabei selbst eine hochrespektable Trainerkarriere. Olympia hat ihn schon zuvor fasziniert. Menschen aus seinem persönlichen Umfeld, die einst für den Internationalen Wettbewerb nominiert waren, inspirierten Holzamer. Schnell wurde die Abteilung zur Talentschmiede, die sie bis heute geblieben ist. Die Buchstaben T-V-H sind ein Markenzeichen in der Leichtathletik, bereits 1959 tauchten sie erstmals in der Hessischen Bestenliste auf. Später wurde sie national und international zum Dreiklang des Erfolgs, was bis in die Gegenwart bestand hat. Die Liste der herausragenden Leistungen wird Jahr um Jahr fortgeschrieben, Meistertitel reihen sich aneinander.

Hinter alldem steht ein gründliche Schüler- und Jugendarbeit, die Holzamer von Anfang an forciert hat. Und er formiert immer wieder einen gleichfalls hervorragenden Trainerstab um sich. Zahlreichen Mitstreitern aus diesen Reihen gebührt großer Dank, stellvertretend sei Jörg Trautmann genannt. Er war selbst erfolgreicher Sportler und hatte sowohl als Trainer als auch als Mensch großes Ansehen genossen, im Jahr 2013 starb Trautmann völlig unerwartet im Alter von 60 Jahren. Bis dahin gehörte er zur Reihe der Vertrauten des Abteilungsleiters.

Viele Talente haben Holzamer und sein Team lokal gefunden und national, teils international ganz nach vorne gebracht. Aber er fand auch großen Zuspruch von außerhalb: Zahlreiche Sportler aus weiten Teilen Deutschlands folgten dem Ruf, den der TVH in der Leichtathletikszene hat und kamen nach Heppenheim, um dort zu Trainieren. Baumgartner und Schwarthoff, die beiden Medaillengewinner, sind Beispiele aus einer langen Reihe. Acht Sportler haben es unter der Regie des TVH-Trainers bis heute zu Olympia gebracht, rund dreißig in Nationalmannschaften.

Auch haben viele ausländische Athleten in Heppenheim trainiert, unter anderem sind Afrikanische Meister und auch Arabische Meister daraus geworden. In Summe sind in der bisherigen Ära Holzamer rund 50 Spitzenathleten, Frauen wie Männer, durch die Heppenheimer Leichtathletikschule gegangen. Bilder von Hürdenläufern, Sprintern, Weitspringern und Stabhochspringern mit dem TVH-Logo auf dem Trikot sind bekannt. Viele der Leistungssportler halten bis heute Kontakt zu ihrem einzigen Trainer. Und für viele war und ist er mehr: Immer wieder wird betont, wie Holzamer die Sportler nicht nur fit für die Wettbewerbe, sondern auch fürs Leben jenseits der Trainingsplätze und Stadien gemacht hat und macht. Es ist ein Credo, dass sich die Athleten mir soliden Schulischen Leistungen, einer ordentlichen Ausbildung oder einem Studium auf die Zeit nach dem Leistungssport vorbereiten soll. Er hilft dabei.

Als der Abteilungsleiter einst anfing, im TVH die Leichtathletik nach seiner Vorstellung hin zum Leistungssport auszurichten, hatte er keine Sportliche Ausbildung. Nach und nach trieb er seine Trainerkarriere voran, bis hin zum Bundestrainer. Dabei arbeitete er wie die anderen Trainer im Verein immer ehrenamtlich. Gymnasiallehrer ist er im Beruf gewesen, heute ist er pensioniert. Dem Sport, vor allem dem Leistungssport, ist Holzamer nach wie vor treu. Rund 250 Mitglieder zählt seine Abteilung derzeit, der Bogen der Aktiven spannt sich über Generationen. Mehr als 100 Sportler sind Jugendliche. Eines der großen Probleme der Leichtathleten: Perfekts Training ist nur im Sommer möglich. Da kann das Heppenheimer Station, das nicht zuletzt dank Holzamer Engagement von der Stadt zum modernsten Leichtathletik-Stützpunkt in Südhessen ausgebaut wurde, genutzt werden. Im Winter wird es dann aber eng. Wenn es draußen kalt und unschön ist, gib es für die Leichtathleten keine adäquate Hallenfläche. Daran wird sich absehbar nichts ändern. Die Abteilung selbst sieht Holzamer, der im Jubiläumsjahr seines Vereins 75 Jahre wird, vor einer Zeitwende. In Zukunft, so seine Einschätzung, wird der Breitensport dort mehr an Bedeutung bekommen. Er selbst fühlt sich durch und durch als TVHler und ist gewillt, so lange er kann, als Trainer weiter zu machen. Seine Maxime bleibt dabei der Leistungssport, und sein Wunsch ist es, noch mahl einen TVH-Sportler zu Olympia zu bringen. Der Verein wäre damit einmal mehr im Fokus der Weltöffentlichkeit. Losgelöst davon werden die Leichtathleten aus Heppenheim aber auch lokal, regional und überregional im Blick bleiben, denn in der Abteilung gibt es nach wie vor eine Vielzahl von Leistungsträgern. Und es tun sich immer wieder neue Talente dazu.

Quelle:
Thomas J. Zelinger/ Dr. Alexander Priebe/ Adolf Weber. Festschrift 150 Jahre turnverein heppenheim.
KS Druck GmbH, 2014, S.56-57




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