Hansjörg Holzamer

Väterlicherseits Künstlerfamilie,
Großvater: Schriftsteller Wilhelm Holzamer „Vor Jahr und Tag“,
Vater Hans: Heimatdichter, Heppenheimer Festspiele, „De Hepprummer Kärnbäjer“ (aber auch Sport, aktiver Fußballspieler und Bruder der Gründer z.B. des FC Starkenburgia).

Interessen: Literatur (Romane schreiben), in der Jugend spielte er viel Theater, Klassische Musikausbildung, später Rockband.





Seit 1954 Abteilungsleiter und Trainer im TV Heppenheim. Er hielt seiner Heimatstadt immer die Treue.
In der Jugend: Mehrkämpfer mit Erfolgen bei Gauturnfesten und Landesturnfesten.
Erfolge in der Jugendarbeit z.B. 1964 - 4. DJMM (Deutsche Jugend-Mannschaftsmeisterschaft) gegen Großvereine, erste Deutsche Meisterschaften im Hürdenlauf (110mH) 1965. Weitsprung - Jugend, Junioren und Männer.

Größter Erfolg
Weitsprung Hans Baumgartner Silbermedaille 1972 in München (8,18 m), 2. Weltcup 1977 in Düsseldorf, 5 mal Europahallenmeister (u.a. 1971 mit 8,12 m in Sofia), 1976 8. Olympia in Montreal nach Achillessehnenriss
Unzählige Deutsche Meisterschaften in der Halle und im Freien.

Von 1980 (Ausfall der Olympischen Spiele) bis 1984 keine Leichtathletik (nur etwas Stabhochsprungtechnik zum Einarbeiten).

1984 im April Übernahme der Disziplin Weitsprung im DLV (lag völlig danieder). In dieser Zeit die größten Weitsprungerfolge des DLV.
Entschluss, wieder selbst eine Trainingsgruppe aufzubauen, um neue Ideen besser vermitteln zu können.
Seit 1987 „Heppenheimer Modell“, dass wegen fehlender Unterstützung finanziell leider scheiterte. Dabei Aufbau eines einmaligen Geräteparks im Kraftraum mit Unterstützung der Bürgermeister von Heppenheim

 

Holzamer in der Presse


Holzamer bei der A-Trainer Fortbildung in Hannover


Am Samstag weilte Hansjörg Holzamer in Hannover, um zum ersten Mal sein Trainingssystem vorzustellen. Einer seiner ehemaligen Kaderathleten, der Weitspringer Bernd Rebischke, ist inzwischen Lehrwart im Niedersächsischen Leichtathletik-Verband. Er sprach seinen Mentor, Holzamer, an und der konnte nicht gut absagen. Rebischke hatte zudem erfahren, dass der Heppenheimer Coach zwei Bücher, „Der Hürdenlauf als Sprint“ und „Aspekte des Weitsprungs“, so zusagen in der Bratröhre hatte.

So stellte Holzamer sein System zum ersten Mal öffentlich ein Tag lang im fernen Hannover vor. Rebische zählte die Erfolge akribisch auf und so erfuhr Holzamer, er habe mindestens acht Athleten über die 8-Meter-Marke geführt und 5 Hürdenläufer in den Deutschen Endkampf.
Die anwesenden Toptrainer waren danach fasziniert von der Mischung aus Theorie und Praxis. Es waren vor allem die Ideen und das Modell des „Zielorientierten Trainings“ die immer wieder zu Nachfragen und anregenden Diskussionen führten.
Besonders der absolut neue Bereich des sensomotorischen (neuromuskulären) Trainings stieß auf große Zustimmung. Die neue Theorie im Hürdenlauf mit der Untermauerung durch biomechanische Untersuchungen, stieß auf große Nachdenklichkeit. Hier hatte man völlig andere Vorstellungen. Es war gerade das System der „Anbahnung“ und der „Ansteuerung einer Bewegung“ die spontan zur Forderung führte, hier müsse Holzamer eine DVD erstellen. Es kommt auf den Heppenheimer also Arbeit zu.
Im Mittelpunkt stand danach die praktische Anwendung im 110m Hürdensprint und im Weitsprung.
Diese Praxis auf engstem Raum hatte niemand erwartet, aber der Heppenheimer Leichtathletik Coach hatte nicht umsonst in seiner Karriere 8 Olympiateilnehmer herausgebracht. Für eine kleine Stadt eine Sensation. In Hannover wusste man das alles zu würdigen und stellte es auch vor.
Interessant war für die Zuhörer die Vorstellung der Entwicklung des schnellsten „Weißen“ Hürdenläufers, gemeint ist Florian Schwarthoff (Bronzemedaille 1996). Hier konnte Holzamer auch in Filmen zeigen, wie er sein System durch Versuch und Irrtum zur optimalen individuellen Technik perfektioniert hatte. Interessant war der Einwurf von Lehrgangsleiter Bernd Rebische über seine Trainingseinheiten im Heppenheimer Stadion. „Wie da Leistungen entstehen konnten, war für mich zunächst unvorstellbar“.
Im Weitsprung zeigte Holzamer mit der Analyse der „Absprungkadenz“ und seiner Technik des „Impuls- und Treibschritts“ völlig neue Aspekte in dieser verkannten Disziplin.

Der Vortrag der von 10 Uhr bis 12.30 und von 14.00 Uhr bis 18 Uhr und fast allein von Holzamer/Roskosch mit wenigen Kaffeepausen bestritten wurde, wurde zum Lehrgang als Holzamer mit seinem Schüler Remigius Roskosch Sprintübungen (speed drills) , die neue Methode des „Hürdenlaufens ohne Hürde“ und neue Sprungübungen (jump drills) vorstellte. „Es kommt darauf an, die Hürde nicht von Anfang an als Hindernis zu erleben“, ist Holzamers Credo. Als Roskosch dann zielsicher im Hörsaal über imaginäre Hürden lief brandete Beifall auf.
Der siebte (!) der Deutschen Jugendmeisterschaften im Weitsprung hat ja den Vorteil, sowohl ein exzellenter Hürdenläufer als auch Weitspringer zu sein. Ursprünglich sollte ja der Fünfte der Deutschen Hallenmeisterschaften, der Heppenheimer Hürdensprinter Florian Seibold den praktischen Teil bestreiten. Die Trainer wandten sich an Roskosch und waren erstaunt wie viel er wusste.
Roskosch kam dann auch sichtlich ins Schwitzen und die anwesenden Trainer waren verblüfft, hatten sie doch Vieles noch nie gesehen. Höhepunkt und Erholung war dann ein Film, den Holzamer von seinem Kollegen Curtis Frye, dem Trainer des Olympiasiegers Allan Johnson, aufgenommen hatte. Der zeigte am Beispiel Allan Johnsons Tricks im Sprint und Hürdenlauf. Man war verblüfft, trotz der Sprachbarrieren. Hier war ein „Bananeverkäufer“ in Sachen Leichtathletik am Werk, der das Publikum mitriss. So etwas, der allgemeine Tenor, fehlt in Deutschland. Holzamer meinte dann auch „Wir müssen alles tun, damit unsere schöne Sportart wieder mehr Anklang findet“.
Nach dem Beifall musste Holzamer zugeben, dass er sein Geheimnis „zum ersten Mal“ öffentlich geballt vorgetragen hatte. „Aber das war mir wichtig, all zu lange werde ich ja nicht mehr auf der Bahn stehen. Ich muss aber zugeben, es hat mich gefreut, allerdings hatte ich gegen Ende Konditionsschwierigkeiten“.
Die beiden Heppenheimer schafften gerade noch den Weg zum Bahnhof. Das war bei tausenden Herthafans nach dem Bundesligaspiel gegen Hannover eine schwierige Aufgabe. Vorher musste man noch versprechen, im nächsten Jahr wieder zu kommen. Hatte Holzamer doch – wegen der regen Diskussion - nur knapp die Hälfte erledigt von dem, was er sich vorgenommen hatte.

Foto: Holzamer mit Remigius Roskosch bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Jena
Zeichnung: Schwarthoff bei der Überwindung der Hürde

 

 

Darmstädter Echo - 25.11.2004

Holzamer ausgezeichnet
Leichtathletik: Förderverein Hessen ehrt den erfolgreichen Trainer aus Heppenheim

Der Leichtathletik-Förderverein Hessen (LFH) zeichnete in Lich Hansjörg Holzamer (TV Heppenheim) als „langjährig erfolgreichen Trainer“ aus. Die Würdigung übernahm Hans Baumgartner. Der Silbermedaillengewinner im Weitsprung der Olympischen Spiele von München 1972 und ehemalige Vorsitzende des TV Heppenheim blickte bis zu den Anfängen seines ehemaligen Trainers zurück. Im Alter von 15 Jahren rief Holzamer, heute 65, die Leichtathletikabteilung ins Leben. In den sechziger Jahren stellten sich erste Titel bei deutschen Jugendmeisterschaften ein.
Später folgten große Namen, die TV Heppenheim ins Rampenlicht rückten. Neben Baumgartner waren dies der Olympiadritte von 1996, Hürdensprinter Florian Schwarthoff, die Weitspringer Georg Ackermann, Hans-Peter Lott und Christian Thomas sowie Zehnkämpfer Thorsten Dauth. Aktuell betreut der pensionierte Gymnasiallehrer den Siebten der deutschen Jugendmeisterschaften im Weitsprung, Remigius Roskosch. Baumgartner: „Das Geheimnis Holzamers ist, dass er Begeisterung wecken kann und sich seinen Athleten absolut zuwendet."




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